Die kurze Antwort
Ein Plagiat liegt vor, wenn du fremde Texte, Ideen, Daten oder Abbildungen verwendest, ohne die Quelle anzugeben, und sie dadurch als deine eigene Leistung erscheinen. Das gilt für wörtliche Übernahmen ebenso wie für umformulierte, übersetzte oder nur in der Gliederung übernommene Passagen. Auch das erneute Einreichen einer eigenen Arbeit kann als Plagiat gelten. Einen festen Prozentwert, ab dem etwas ein Plagiat ist, gibt es nicht: Entscheidend ist, ob jede Übernahme gekennzeichnet ist.
Wie Hochschulen ein Plagiat definieren
Eine einheitliche gesetzliche Definition gibt es nicht. Der Leitfaden der TU Wien hält fest, dass weder das österreichische Urheberrechtsgesetz noch das Universitätsgesetz den Begriff definiert, und beschreibt das Plagiat als das Gegenteil des korrekten Zitierens. Die Hochschulen formulieren es deshalb selbst, und die Definitionen ähneln sich stark:
- Ein Merkblatt eines Instituts der Uni Münster spricht von Texten Dritter, die ganz oder teilweise, wörtlich oder nahezu wörtlich übernommen und als eigene wissenschaftliche Leistung ausgegeben werden.
- Die Universität Duisburg-Essen nennt es in ihren Grundsätzen kurz eine „unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft“. Dieselbe Formel steht in der Allgemeinen Prüfungsordnung der KU Eichstätt-Ingolstadt.
- Die Universität Luzern fasst es am weitesten: jede Übernahme einer fremden Geistesleistung ohne Angabe der Quelle, egal ob absichtlich oder fahrlässig.
Gemeinsam ist allen drei Punkten: Es geht nicht nur um Wörter, sondern um jede fremde Leistung, also auch um Gedanken, Ergebnisse, Daten, Tabellen und Bilder. Und es geht um die Kennzeichnung. Wer eine Quelle korrekt zitiert, plagiiert nicht, egal wie lang das Zitat ist.
Prüfe deine Arbeit vor der Abgabe
Die Arten von Plagiaten
Die folgenden Formen stehen so oder ähnlich in den Merkblättern der Uni Duisburg-Essen, der TU Wien, der Universität Luzern und der Alten Geschichte an der Uni Potsdam. Die Namen variieren, der Kern bleibt gleich.
| Art | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Vollplagiat | Eine ganze fremde Arbeit wird unter dem eigenen Namen abgegeben, etwa eine Hausarbeit aus dem Internet. |
| Teil- oder Textplagiat | Einzelne Sätze oder Absätze werden wörtlich oder leicht abgeändert übernommen, ohne Anführungszeichen und ohne Beleg. Nach der KU Eichstätt-Ingolstadt die häufigste Form. |
| Übersetzungsplagiat | Ein fremdsprachiger Text, zum Beispiel ein englischer Fachartikel, wird übersetzt und ohne Quellenangabe als eigener Text ausgegeben. |
| Ideenplagiat | Ein fremder Gedankengang wird in eigenen Worten wiedergegeben, aber ohne Verweis auf seine Herkunft. Auch eine gute Paraphrase ohne Beleg ist ein Plagiat. |
| Strukturplagiat | Die Gliederung, also Aufbau und Abfolge der Argumente, eines anderen Textes wird als eigene übernommen. |
| Selbstplagiat | Eine eigene Arbeit oder Teile davon werden ein zweites Mal eingereicht, ohne auf die frühere Fassung hinzuweisen. |
| Verdecktes Plagiat | Die Quelle steht im Literaturverzeichnis, ist aber an der Stelle im Text, an der sie verwendet wird, nicht belegt. |
| Ghostwriting | Eine andere Person schreibt die Arbeit ganz oder teilweise, oft gegen Bezahlung. Hochschulen behandeln das wie ein Plagiat. |
| Ungekennzeichnete KI-Texte | Text von ChatGPT oder einem anderen KI-Tool wird übernommen, ohne die Nutzung offenzulegen. Manche Hochschulen führen das ausdrücklich als Plagiatsform. |
Selbstplagiat: dein eigener Text, trotzdem ein Problem
Viele halten es für unmöglich, sich selbst zu plagiieren. Die TU Wien zählt es aber ausdrücklich dazu, wenn jemand dieselbe Arbeit in mehreren Lehrveranstaltungen einreicht oder eigene Texte wiederverwendet, ohne das auszuweisen. Die KU Eichstätt-Ingolstadt ist vorsichtiger: Eigenplagiate seien nicht in jedem Zusammenhang unzulässig, ihre juristische Einordnung sei umstritten. Prüfungsrechtlich relevant würden sie aber, wenn dieselbe geistige Leistung für mehrere Leistungsnachweise verwendet wird, ohne den Bezug offenzulegen. Willst du auf einer früheren Arbeit aufbauen, etwa einer Seminararbeit in deiner Bachelorarbeit, dann sprich mit deiner Betreuung und zitiere die frühere Arbeit wie jede andere Quelle.
KI-Texte
Text, den ein KI-Tool geschrieben hat, stammt von keiner Person, die du zitieren könntest. Trotzdem ist er nicht deine Leistung. Die Alte Geschichte in Potsdam führt die „ungekennzeichnete Verwendung“ von KI-Textgeneratoren oder Chatbots wie ChatGPT ausdrücklich in ihrer Liste der Plagiatsformen. Ob und wie du KI nutzen darfst, regeln Hochschulen sehr unterschiedlich, oft in der Eigenständigkeitserklärung. Lies sie genau, bevor du ein Tool einsetzt, und lege offen, was du genutzt hast. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber Ist KI-Nutzung ein Plagiat? (auf Englisch).
Ab wann ist etwas ein Plagiat?
Streng genommen ab dem ersten Satz ohne Beleg. Es gibt keine Mindestlänge, ab der eine Übernahme zählt. Für die Folgen unterscheiden Hochschulen aber zwischen dem, was objektiv vorliegt, und dem, was dir vorgeworfen werden kann. Der Leitfaden der KU Eichstätt-Ingolstadt erklärt das genauer als die meisten anderen Quellen:
- Bagatellfälle: Wurde vereinzelt nicht oder nicht richtig zitiert, gilt das als Flüchtigkeit, nicht als Plagiat. Wo die Grenze liegt, lasse sich nur schwer sagen. Die Zahl der Fälle müsse das Urteil „Flüchtigkeit“ noch zulassen.
- Vorsatz: Ein Täuschungsvorwurf setzt mindestens bedingten Vorsatz voraus, also dass du die Täuschung für möglich gehalten und in Kauf genommen hast. Eine Täuschungsabsicht ist nicht nötig.
- Indizien: Gerade das Umarbeiten eines übernommenen Textes kann Vorsatz nahelegen, etwa wenn einzelne Wörter ersetzt, Sätze umgestellt oder Textteile zwischen Haupttext und Fußnoten verschoben werden.
Die TU Wien argumentiert ähnlich: Fehlende Quellenangaben aus Fahrlässigkeit sind kein „Erschleichen“ einer Note, eine auffallend hohe Zahl fehlender Angaben lässt aber auf Vorsatz schließen. Das ist kein Freibrief. Auch ein fahrlässiges Plagiat kann die Note drücken, und die Universität Luzern zählt es ausdrücklich als Plagiat.
Was du nicht belegen musst
Allgemein- und Grundlagenwissen ist nach der KU Eichstätt-Ingolstadt nicht „plagiatsfähig“, etwa dass die Erde um die Sonne kreist. Die Universität Luzern macht eine wichtige Einschränkung: Auch Allgemeinwissen wird zum Plagiat, wenn du die Darstellungsweise einer anderen Person übernimmst. Was in deinem Fach als Grundwissen gilt, ist Auslegungssache. Belegst du im Zweifel, bist du auf der sicheren Seite.
Wie viel Prozent Plagiat ist erlaubt?
Diese Frage stellen viele vor der Abgabe ihrer Bachelorarbeit, und die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keinen erlaubten Prozentwert. Keine der Prüfungsordnungen und Leitfäden, die wir für diesen Ratgeber gelesen haben, nennt einen.
Der Grund: Ein Prozentwert aus einer Plagiatssoftware misst Übereinstimmungen mit anderen Texten, nicht Plagiate. Ein sauber belegtes Zitat, ein Gesetzestext oder eine feste Fachformulierung erhöht den Wert, ohne dass etwas falsch ist. Umgekehrt kann eine Arbeit mit niedrigem Wert eine übernommene Idee ohne Beleg enthalten. Die Uni Duisburg-Essen hält deshalb fest, dass Textähnlichkeiten nicht automatisch Plagiate sind. Die KU Eichstätt-Ingolstadt nennt Plagiatssoftware „derzeit noch höchst fehleranfällig“ und betont, dass ihr Einsatz Prüfende nicht von einer eigenen Beurteilung entbindet.
Für dich heißt das: Schau nicht nur auf die Zahl, sondern auf jede einzelne markierte Stelle. Ist sie als Zitat gekennzeichnet und belegt, ist sie in Ordnung. Ist sie es nicht, musst du sie ändern, egal ob der Gesamtwert bei 3 oder bei 30 Prozent liegt. Unser Bericht zeigt dazu jede Übereinstimmung mit ihrer Quelle. Mehr zum Lesen eines solchen Berichts findest du unter Wie viel Plagiat ist erlaubt? (auf Englisch).
Folgen an Hochschulen
Was genau passiert, steht in der Prüfungsordnung deiner Hochschule. Die folgenden Beispiele zeigen die Bandbreite. Sie gelten nur für die jeweilige Einrichtung.
- Note „nicht ausreichend“ (5,0): An der KU Eichstätt-Ingolstadt entscheidet der Prüfungsausschuss nach einer schriftlichen Anhörung, ob die Prüfungsleistung als nicht bestanden gilt. Sie kann wiederholt werden, außer sie ist endgültig nicht bestanden. In schwerwiegenden oder wiederholten Fällen folgt der Ausschluss von Prüfungen bis hin zur Exmatrikulation.
- Kein Schein, keine Wiederholung im Seminar: Am Münsteraner Institut wird eine plagiierte Hausarbeit als ungenügend bewertet, es gibt keinen Leistungsnachweis, und die Arbeit kann im selben Seminar nicht wiederholt werden.
- Geldbuße in NRW: Die Politikwissenschaft der Uni Wuppertal verweist auf § 63 Abs. 5 des Hochschulgesetzes NRW, nach dem vorsätzliche Täuschungsversuche bei Abschlussprüfungen mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro und einer Exmatrikulation geahndet werden können.
- Österreich: Nach dem Leitfaden der TU Wien wird eine erschlichene Beurteilung für nichtig erklärt und auf die Zahl der Prüfungsantritte angerechnet. Wird ein Plagiat erst nach dem Abschluss entdeckt, kann der akademische Grad widerrufen werden.
- Schweiz: Die Universität Luzern sieht im einfachen Erstfall eine schriftliche Verwarnung vor, im Wiederholungsfall oder bei schweren Verstößen den vorübergehenden oder dauernden Ausschluss. Ein Titel kann nachträglich entzogen werden.
Bei einem Verdacht hast du in der Regel das Recht, dich zu äußern, bevor entschieden wird. Nutze es, sachlich und mit deinen Notizen, Entwürfen und der Versionsgeschichte deines Dokuments.
So vermeidest du ein Plagiat
Die meisten Plagiate in Hausarbeiten entstehen nicht aus Absicht, sondern aus unordentlichen Notizen und Zeitdruck. Ein paar Gewohnheiten helfen mehr als jede Software:
- Notiere die Quelle sofort: Schreib zu jedem Exzerpt Autor, Jahr und Seite, und markiere wörtliche Stellen schon in den Notizen mit Anführungszeichen.
- Paraphrasiere mit geschlossener Quelle: Lies den Abschnitt, leg ihn weg und schreib aus dem Gedächtnis. Wie das geht, zeigt unser Ratgeber Paraphrasieren.
- Beleg auch Umformuliertes: Eine Paraphrase braucht genauso einen Beleg wie ein wörtliches Zitat. Die Regeln dafür stehen in Richtig zitieren.
- Bleib bei einem Zitierstil: Ob APA, Harvard oder Fußnoten, entscheidend ist, dass jeder Beleg zu einem Eintrag im Literaturverzeichnis passt.
- Prüf deinen Entwurf früh: Eine Plagiatsprüfung zeigt dir Stellen, die mit einer Quelle übereinstimmen, solange du noch Zeit zum Überarbeiten hast. Hast du mit KI gearbeitet, zeigt dir der KI-Detektor, welche Sätze nach Maschine klingen, damit du sie in deinen eigenen Worten neu schreibst und die Nutzung offenlegst.