Ratgeber für Studierende

Paraphrasieren: so geht es ohne Plagiat

Paraphrasieren ist die häufigste Art, mit Literatur zu arbeiten, und die häufigste Quelle für ungewollte Plagiate. Hier steht, wie du einen fremden Gedanken sauber in eigene Worte bringst.

Aktualisiert am · Redaktion von Plagiarism Checker Plus

Die kurze Antwort

Paraphrasieren bedeutet, einen fremden Gedanken sinngemäß und in eigenen Worten wiederzugeben. Der Inhalt bleibt der des Originals, Wortwahl und Satzbau sind deine. Eine Paraphrase steht ohne Anführungszeichen, braucht aber immer einen Beleg mit Seitenangabe. Wer nur Wörter austauscht oder die Quelle weglässt, paraphrasiert nicht, sondern plagiiert.

Was paraphrasieren bedeutet

Das Wort kommt vom griechischen paráphrasis, „Umschreibung“. Im Studium meint es die sinngemäße Übernahme: Du gibst wieder, was eine Autorin denkt, zeigt oder herausgefunden hat, aber nicht, wie sie es formuliert hat. In wissenschaftlichen Arbeiten ist das der Normalfall. Die Handreichung der Uni Marburg hält fest, dass fremde Gedanken viel häufiger in eigener Paraphrase verwendet werden als wörtlich, und verlangt für rein beschreibende Passagen aus der Literatur ausdrücklich die freie Paraphrase statt des wörtlichen Zitats.

Wörtlich zitierst du dagegen nur, wenn es auf den genauen Wortlaut ankommt: eine Definition, eine zugespitzte These, die du kommentieren willst, eine Formulierung, die sich nicht ohne Sinnverlust umschreiben lässt. Alles andere paraphrasierst du.

In fünf Schritten paraphrasieren

  1. Den Abschnitt verstehen: Lies die Stelle zweimal und schreib in einem Satz auf, was die Autorin eigentlich behauptet. Wenn dir das nicht gelingt, hast du den Gedanken noch nicht verstanden, und dann wird jede Umformulierung zu einer Kopie mit anderen Wörtern.
  2. Die Quelle schließen: Leg das Buch weg oder schließ den Tab. Schreib den Gedanken aus dem Gedächtnis auf, so wie du ihn einer Kommilitonin erklären würdest. So entsteht dein eigener Satzbau statt einer Abwandlung des Originals.
  3. Mit deinem Text verbinden: Eine gute Paraphrase steht nicht für sich. Ordne den Gedanken in deine Argumentation ein: Was folgt daraus für deine Fragestellung, wo widersprechen andere?
  4. Mit dem Original vergleichen: Öffne die Quelle wieder. Stimmt der Inhalt? Hast du Zahlen, Einschränkungen und Bedingungen richtig wiedergegeben? Stehen noch längere Wortfolgen aus dem Original in deinem Text, dann formuliere sie neu oder setze sie als wörtliches Zitat in Anführungszeichen.
  5. Die Quelle belegen: Setze den Beleg direkt an die Paraphrase, mit Seitenangabe, und nimm die Quelle ins Literaturverzeichnis auf. Ohne Beleg ist auch die beste Paraphrase ein Plagiat.

Ein Beispiel Schritt für Schritt

Der folgende Quelltext, die Autorin und das Buch sind für dieses Beispiel erfunden.

Das Original

Wer abends bis kurz vor dem Einschlafen auf das Smartphone schaut, verschiebt den Schlafbeginn im Schnitt nach hinten. Entscheidend ist dabei weniger das Licht des Bildschirms als die Art der Nutzung: Nachrichten und soziale Netzwerke halten das Gehirn wach, weil sie ständig neue Reize liefern, während ein gleich langes Hörbuch kaum Wirkung zeigt.
(Brandt, 2022, S. 87)

Schlecht: nur Wörter ausgetauscht

Wer am Abend bis kurz vor dem Einschlafen das Handy benutzt, verzögert den Beginn des Schlafs durchschnittlich. Wichtig ist hier weniger die Helligkeit des Displays als die Form der Nutzung: Nachrichten und Social Media halten den Kopf wach, weil sie dauernd neue Reize bieten.

Satzbau und Reihenfolge sind die des Originals, nur einzelne Wörter wurden ersetzt. Ohne Beleg ist das genau die Form, die die TU Wien als Plagiat beschreibt: Textteile werden leicht angepasst und umgestellt, ohne die Quelle mit einem Zitat kenntlich zu machen. Auch mit Beleg ist es keine gute Paraphrase, weil der Text des Originals fast vollständig stehen bleibt.

Gut: eigener Satzbau, eigener Zusammenhang, Beleg

Dass Studierende vor Prüfungen schlecht schlafen, hat womöglich weniger mit dem Bildschirmlicht zu tun als oft angenommen. Nach Brandt kommt es vor allem darauf an, was man auf dem Smartphone tut: Wer vor dem Schlafen soziale Netzwerke oder Nachrichten liest, schläft später ein, wer ein Hörbuch hört, kaum.

Der Gedanke ist derselbe, aber der Satz beginnt bei deiner eigenen Fragestellung, die Reihenfolge ist neu, und das Ergebnis ist zugespitzt auf das, was du brauchst. Die Autorin wird im Satz genannt. Jetzt fehlt nur noch der Beleg, je nach Zitierweise so:

ZitierweiseBeleg der Paraphrase
Deutsche Zitierweise (Fußnote)¹ Vgl. Lena Brandt: Müde Generation. Schlaf im digitalen Alltag, Berlin 2022, S. 87.
Harvard (Kurzbeleg)… kaum (vgl. Brandt 2022, S. 87).
APA 7… kaum (Brandt, 2022, S. 87).

Die Seitenangabe verlangt APA bei Paraphrasen nicht zwingend, viele Institute aber schon. Wie die Belege im Detail aussehen, steht in den Ratgebern zu APA und zur Harvard-Zitierweise.

Paraphrase, indirektes Zitat, indirekte Rede

Die drei Begriffe werden oft vermischt. Im Alltag des Studiums meinen sie Folgendes:

  • Paraphrase und indirektes Zitat sind im deutschen Sprachgebrauch meist dasselbe: die sinngemäße Wiedergabe eines fremden Gedankens ohne Anführungszeichen, mit Beleg. Die Uni Marburg verwendet beide Wörter gleichbedeutend. Eine Zusammenfassung, die einen längeren Abschnitt verdichtet, ist ebenfalls ein indirektes Zitat und wird genauso belegt.
  • Das direkte Zitat ist die wörtliche Übernahme in Anführungszeichen. Bei ihm steht in der Fußnote kein „Vgl.“.
  • Die indirekte Rede ist eine grammatische Form. Mit dem Konjunktiv I („Brandt zufolge komme es weniger auf das Licht an“) zeigst du, dass du eine fremde Aussage wiedergibst, ohne sie dir zu eigen zu machen. Sie ersetzt den Beleg nicht, macht aber klar, wo die fremde Position anfängt und aufhört.

Formulierungen, mit denen du eine Paraphrase einleitest

Nennst du die Autorin im Satz, sieht die Leserin sofort, wo der fremde Gedanke beginnt. Gebräuchlich sind zum Beispiel:

  • „Laut Brandt (2022) …“
  • „Brandt (2022) zufolge …“
  • „Nach Ansicht von Brandt (2022) …“
  • „Wie Brandt (2022) darlegt, …“ (ebenso: zeigt, betont, argumentiert)
  • „Brandt (2022) kommt zu dem Ergebnis, dass …“
  • Indirekte Rede: „Brandt (2022) schreibt, entscheidend sei weniger das Licht des Bildschirms als die Art der Nutzung.“

Der Zitationsleitfaden der TU Dortmund nutzt in seinen Beispielen für indirekte Zitate selbst „Laut …“ und „… zufolge“ mit Autor-Jahr-Beleg, dort im Indikativ. Der Konjunktiv I (sei, habe, komme) ist die Form der indirekten Rede: Mit ihm zeigst du, dass du eine fremde Aussage wiedergibst, ohne sie dir zu eigen zu machen. Wähle auch das Verb mit Bedacht: „zeigt“ oder „belegt“ übernimmt die Aussage als gesichert, „behauptet“ geht auf Abstand.

Ob vor den Beleg einer Paraphrase ein „vgl.“ gehört, ist eine Stilfrage. Die Uni Marburg leitet die Fußnote einer Paraphrase mit „Vgl.“ ein. Der Zitationsleitfaden der TU Dortmund nennt die Frage für deutschsprachige Arbeiten „hoch umstritten“ und empfiehlt den normalen Autor-Jahr-Beleg, „vgl.“ nur dann, wenn du fremde Ideen abgewandelt in deinen eigenen Zusammenhang stellst. Entscheidend ist, dass du es in der ganzen Arbeit gleich machst.

Wann eine Paraphrase ein Plagiat ist

Eine Paraphrase wird in drei Fällen zum Problem:

  1. Der Beleg fehlt. Die Universität Luzern nennt die sinngemäße Übernahme ohne Quellenangabe ausdrücklich ein Plagiat, die KU Eichstätt-Ingolstadt spricht vom „ungekennzeichneten Paraphrasieren“. Das gilt auch dann, wenn kein einziges Wort übereinstimmt.
  2. Der Text bleibt zu nah am Original. Wörter ersetzen und Sätze umstellen macht aus einer Kopie keine Paraphrase. Die KU Eichstätt-Ingolstadt hält fest, dass genau dieses Umarbeiten, also einzelne Wörter zu substituieren oder Sätze umzustellen, sogar auf Vorsatz hindeuten kann.
  3. Der Beleg steht an der falschen Stelle. Eine Quelle nur im Literaturverzeichnis zu nennen reicht nicht. Die Universität Luzern nennt das ein verdecktes Plagiat. Der Beleg gehört an die Stelle, an der du den Gedanken verwendest.

Über einen längeren Abschnitt, in dem du dich auf dieselbe Quelle stützt, kannst du in der Fußnotenzitierweise eine Sammelfußnote setzen, etwa „Zum Folgenden …“ mit den Quellen. Einzelne konkrete Aussagen und wörtliche Zitate belegst du trotzdem gesondert, so steht es auch in der Marburger Handreichung. Mehr zu den Arten und Folgen findest du unter Was ist ein Plagiat?.

Paraphrasier-Tools: ein ehrlicher Hinweis

Online-Tools, die einen Text auf Knopfdruck umformulieren, wirken wie eine Abkürzung. Drei Dinge solltest du vorher wissen:

  • Sie ersetzen den Beleg nicht. Der Gedanke stammt weiter aus der Quelle. Eine maschinelle Umformulierung ohne Beleg ist ein Plagiat wie jede andere.
  • Sie verstehen den Text nicht für dich. Gerade bei Fachtexten geht leicht eine Einschränkung oder Bedingung verloren, und dann gibst du die Quelle falsch wieder. Den Abgleich mit dem Original musst du in jedem Fall selbst machen.
  • Sie können unter KI-Nutzung fallen. Viele Hochschulen regeln KI-Tools in der Eigenständigkeitserklärung. Ob ein Paraphrasier-Tool erlaubt ist und wie du es offenlegst, steht dort oder ist bei deiner Betreuung zu erfragen.

Der sicherste Weg bleibt der aus den fünf Schritten oben. Wenn du prüfen willst, ob eine Stelle noch zu nah an der Quelle ist, zeigt dir die Plagiatsprüfung Stellen, die mit Quellen übereinstimmen, und die Quelle dazu. Bedenke aber: Auch eine Paraphrase, die kaum noch wörtlich übereinstimmt, kann für eine Leserin zu nah am Original sein und als Plagiat gewertet werden. Den Abgleich mit dem Original nimmt dir keine Prüfung ab. Hast du mit KI gearbeitet und willst wissen, welche Sätze danach klingen, hilft der KI-Detektor. Ein Wert dort ist eine Wahrscheinlichkeit, kein Beweis, und er ersetzt nicht die Offenlegung, die deine Hochschule verlangt.

Häufige Fragen

Paraphrasieren heißt, den Inhalt eines fremden Textes sinngemäß in eigenen Worten wiederzugeben. Der Gedanke bleibt der des Originals, Wortwahl und Satzbau sind deine. Eine Paraphrase steht ohne Anführungszeichen, braucht aber immer einen Beleg.

Prüfe, ob deine Paraphrasen weit genug vom Original entfernt sind

Die Plagiatsprüfung zeigt Stellen, die mit Quellen übereinstimmen, und die Quelle dazu. Die erste Prüfung ist kostenlos, bis 1.000 Wörter.